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Interview mit der SINE.-Teilnehmerin Claudia G.
 

Frau G. betrachtet ein Bild mit Rosen

Claudia G. (Name geändert), 43 Jahre, ist gelernte Bürokauffrau und Mutter eines 12-jährigen Sohnes. Bei SINE. nimmt sie an der Frauengruppe teil.

Frau G., was hat Sie zum Trinken gebracht?

Claudia G.: Ich bin eigentlich schon seit 20 Jahren alkoholkrank. In den Cliquen, mit denen ich als junge Frau zu tun hatte, war Trinken angesagt, garniert mit coolen Sprüchen wie den vom "Bier, das man mit Korn runterspülen muss". Ich war ziemlich orientierungslos, wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Ich habe getrunken, um meine Sorgen zu vergessen.

Waren Sie ein so unglücklicher Mensch?

Bereits seit meiner Kindheit spüre ich eine tief sitzende Einsamkeit, die ich nie ganz los geworden bin. Ich habe mich besonders von meiner Familie verlassen gefühlt, von der ich mehr Unterstützung gebraucht hätte. Es gibt viele Auslöser für Alkoholmissbrauch. Für mich ist einer davon, dass ich über Rückschläge im Leben nicht so leicht hinweg komme.

Wie haben Sie es geschafft, trocken zu werden?

Mein Sohn weiß ja Bescheid über die Krankheit seiner Mutter. Im Internat, wo er zur Schule geht, hieß es, dass er sich Sorgen über mich macht, dass er es mit der Angst zu tun bekommt. Da wusste ich: jetzt reicht es!

Sie haben dann entzogen. Zum ersten Mal?

Nein, leider nicht. Rückfälle kommen immer wieder vor, da bin ich nicht die Einzige. Jetzt bin ich seit über einem halben Jahr trocken. Ich glaube, um es wirklich langfristig zu schaffen, vom Alkohol los zu kommen, muss man die Rückfälle positiv ummünzen. Das heißt, offen damit umgehen, sofort bei den Bezugspersonen Bescheid geben, seien es Suchtärzte, Therapeuten oder die Leute von SINE. Und dann heißt es, so schnell wie möglich wieder in die Entgiftung zu gehen und die Entzugsbehandlung fortzusetzen, vielleicht auch etwas intensiver als sonst.

Wie hat Ihr Sohn auf Ihren Erfolg, endlich wieder trocken zu sein, reagiert?

 

Super. Er freute sich vor allem darauf, dass wir morgens wieder gemeinsam frühstücken können. Außerdem passt er auch noch auf mich auf und fragt mich manchmal kritisch, was ich denn gerade so trinke. Er ist einfach der Größte. Ich hatte auch rechtzeitig entzogen, kurz vor den letzten Sommerferien. Dadurch konnten wir die gemeinsame Zeit wunderbar genießen, gingen zusammen ins Freibad und hatten eine Menge Spaß.

Sie sind jetzt bei SINE. Was bringt Ihnen das Programm?

Es bringt mir Stabilität in den Alltag, ich kann den Tag wieder besser planen, ich bin dort gut eingebunden in ein funktionierendes Helfersystem. Ob Schulden oder unerledigter Papierkram, in allen Bereichen wird mir geholfen. Momentan habe ich Unterricht in Allgemeinwissen. Außerdem sprechen wir viel über das Berufsleben. Es ist ein tolles Gefühl, die Gehirnzellen mal wieder zu aktivieren. Ich glaube, in meiner Zeit bei SINE. hat sich mein Denken verändert. Ich sehe mich jetzt nicht mehr nur als Opfer meiner Leiden. Sondern ich spüre auch ganz deutlich meine eigene Verantwortung für mein Leben. Ich hoffe, das ist der richtige Weg.