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Interview mit dem ehemaligen SINE.-Teilnehmer Herbert D.
 

Herbert D., 50 Jahre, aus München.
Seit zwei Jahren ist er trocken und in Arbeit.

Herr D., welche Motivation hatten Sie mit dem Trinken aufzuhören?

Herbert D.: Als ich mit dem Entzug begann, war ich am Boden zerstört. Ich hatte keinen Lebenswillen mehr. Ich wollte nur noch weg von dem Dreckzeug. Ich wollte mit dem Trinken aufhören, weil ich meine Familie zugrunde richtete und im Job nichts mehr leisten konnte. Ich hatte massive gesundheitliche Probleme, psychische und körperliche.

Sie haben im ZAK medizinisch betreut entgiftet. Wie verlief der Entzug?

Da gibt es medizinische Hilfsmaßnahmen, mit denen der Alkoholspiegel langsam heruntergefahren wird und Entzugserscheinungen gemildert werden. Außerdem wird man psychologisch betreut, hat eigene Bezugstherapeuten. Dann gibt es noch die Ergo- und Beschäftigungstherapien, die ich auch sehr gut fand. Ich hatte mir ja nicht mal mehr zugetraut, irgendetwas zusammenbauen zu können. Aber es ist mir wieder gelungen. Das hat mir Mut gemacht.

Haben Sie Angst vor einem Rückfall?

Ich habe schon lange beschlossen, mich von alten Lebensgewohnheiten fern zu halten. Also auch in keine Wirtschaften mehr zu gehen, alte Trinkbrüder zu meiden. Außerdem habe ich das Radfahren in der Natur wiederentdeckt. Da hatte ich im nassen Zustand ja gar kein Gefühl dafür. Und obwohl der letzte Entzug über zwei Jahre her ist, gehe ich regelmäßig zur Bezugstherapie, um stabil zu bleiben. Die Gespräche mit meiner Therapeutin sind für mich sehr sinnvoll, weil sie das ganze Spektrum abdecken, die menschliche Seite, die bürokratische Seite. Eben alles, was zum Leben dazugehört. Außerdem gibt mir meine Selbsthilfegruppe sehr viel Halt.

Wie kamen Sie zu SINE.?

Ich war ein Quereinsteiger bei SINE. Ich habe erst im ZAK von SINE. erfahren. Das war für mich wie ein letzter Strohhalm, nach dem Entzug wieder ins Arbeitsleben zurück zu kommen. Außerdem wollte ich meine Familie wieder zusammen bringen und für immer vom Alkohol weg bleiben.

Herbert D., lachend

Was haben Sie bei SINE. gelernt?

In erster Linie erfährt man bei SINE., den Umgang mit anderen wieder zu erlernen, sich in Gemeinschaften einzufinden. Was man auf das Familienleben übertragen kann, aber auch auf den Beruf. Dazu bekommt man bei SINE. viel berufliches Fachwissen mit auf den Weg. Auch EDV-Kenntnisse und Allgemeinwissen wie Rechnen, Deutsch, Politik, Erdkunde. Ich gebe zu, ich habe vieles nicht mehr gewusst. Außerdem hatten die Mitarbeiterinnen immer ein offenes Ohr für persönliche Probleme.

Sie haben seit kurzem ein unbefristetes Arbeitsverhältnis?

Ja, ich arbeite in einem Krankenhaus im Archiv. Das ist eine Arbeit, die ich körperlich sehr gut leisten kann und die mir wahnsinnig viel Spaß macht. Angefangen hat das Ganze mit einem Berufspraktikum im Rahmen des SINE.-Projekts. Ich bin im Job ganz offen mit meiner Alkoholkrankheit umgegangen und habe sie vor niemandem versteckt. Der Personalchef und meine Kollegen fanden das, glaube ich, ganz gut.

» Interview Claudia G.