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Interview mit dem SINE.-Teilnehmer Ralf S.
 

Ralf S. im Gespräch

Ralf S., 43 Jahre, seit eineinhalb Jahren trocken, hat gerade ein
SINE.-Berufspraktikum erfolgreich abgeschlossen.

Herr S., Menschen mit Alkoholerkrankung können ihre Abhängigkeit jahrzehntelang verbergen.

Ralf S.: Das ist ja das Fatale, vielen sieht man ihre Sucht nicht an. Das verführt noch mehr dazu, sich dem Alkoholismus zu widmen, ohne aufzufallen. Ich habe meine Abhängigkeit viele Jahre vor meiner Umwelt versteckt. Aber da macht man sich etwas vor. Ich habe mich selbst am meisten betrogen. So was nennt man Realitätsverlust.

Welchen Anlass hatten Sie, mit dem Trinken aufzuhören?

Zum Schluss landete ich mit 4,7 Promille in der Notaufnahme. Da war ich längst bei einem durchschnittlichen Wochenpensum von acht großen Flaschen Wodka und 30 Flachmännern angekommen. Erst seit ich totale Ehrlichkeit mir und den anderen gegenüber geschworen habe, konnte ich mir nachhaltig selber helfen und helfen lassen.

Welche Erfahrungen haben Sie mit SINE. gemacht?

Ich finde es schon mal gut, dass das Programm 15 Monate dauert. Das ist ein realistischer Zeitrahmen, trocken zu werden und wirklich etwas zu ändern im Leben. Dann waren wir von Anfang an eine tolle Gruppe. Ich komme gut mit den Leuten klar und es war auch etwas Besonderes für mich, bei SINE. endlich wieder neue Kontakte zu knüpfen. Als Trinker hatte ich mich ja ziemlich isoliert. Außerdem fand ich besonders den Unterricht in Stressbewältigung und das Bewerbungstraining wichtig. Jetzt bin ich hoffentlich für alle Fragen beim Bewerbungsgespräch gerüstet.

Wie hat Ihnen das Berufspraktikum gefallen?

Es war klasse. Ich war bei einer Münchner Poststelle und habe vor allem eines genossen: die Vorstellung, wie es sich anfühlen wird, wieder für sein Geld zu arbeiten. Das hat mich zufrieden gemacht. Außerdem war es eine interessante Herausforderung, wieder unter Kollegen zu sein. Es hat gut getan, das reale Leben, das Arbeitsleben zu erproben. Außerdem vergrößerte es meine Bandbreite. Das heißt, ich habe jetzt eine viel größere Bereitschaft als früher, eine feste Stelle zu finden und anzunehmen.

Praktikant mit 43 Jahren. Wie fühlen Sie sich dabei?

Es ist ein neuer Anfang für mich. Ich bin froh, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe. Vor ungefähr eineinhalb Jahren war ich noch Trinker und konnte mir ein Leben ohne Alkohol und mit geregelter Arbeit nicht wirklich vorstellen. Aber nach einer rund 25-jährigen Allkoholikerkarriere bin ich dieses Leben müde geworden und ich habe endlich einen starken Willen entwickeln können, endgültig trocken zu werden.

Warum haben Sie es jetzt geschafft, trocken zu bleiben?

Ich musste sehr an mir arbeiten. Dazu braucht man auch ein funktionierendes Helfersystem. Da ist das Projekt SINE. mit seiner sozialen und beruflichen Integrationsarbeit. Die professionelle suchtmedizinische Betreuung im ZAK, dem Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen und Krisen, ist mir allerdings das wichtigste. Und meiner Freundin werde ich wohl bis an mein Lebensende dankbar sein, dass sie mir ein funktionierendes Privatleben ermöglicht. Sie unterstützt mich immer und hat mir so manchen Fehler verziehen.

» Interview Herbert D.